Bipper

Heinrich Bipper

Gruppe:
Euthanasie-Opfer
Geboren:
28.10.1903
Wuppertal-Elberfeld
Deutschland
Gestorben:
28.04.1941 Hadamar

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Heinrich Bipper

Heinrich Bipper https://www.solingen.de/de/archiv/stolperstein-bipper-heinrich-94227/

geboren: 28. Oktober 1903 in Wuppertal-Elberfeld
gestorben: 28. April 1941 in Tötungsanstalt Hadamar
Lebensweg

Heinrich Bipper wird am 28. Oktober 1903 in Elberfeld als sechstes von acht Kindern des Ehepaares Heinrich und Mathilde Bipper geboren. Sein Vater ist Schleifer, seine Mutter Reiderin. Er besucht die Volksschule und erlernt den Beruf seines Vaters. Von 1928 bis 1931 arbeitet er bei der Firma Ernst Klopp als Rasiermesserschleifer, danach ist er dauerhaft arbeitslos. Heinrich Bipper ist mit Maria geb. Rinscheid verheiratet, 1927 wird dem Ehepaar ein Sohn geboren.

Nach den späteren Angaben seiner Ehefrau wird Heinrich Bipper am 15./16. Mai und vom 29. Juni bis 8. Juli 1935 für mehrere Tage in Solingen in „Schutzhaft" genommen, wo man ihn angeblich misshandelt und er einige Zähne verliert. Diese Haft wird später unterschiedlich bewertet: Während seine Ehefrau die spätere Krankheit und Einweisung Heinrichs in eine Anstalt als Folge der Haft sieht, sehen die Entschädigungsbehörden in der Haft eine vorbeugende Maßnahme wegen einer bereits vor Haftantritt aufgetretenen Krankheit. Entscheiden lässt sich dies bis heute nicht.

Im Mai 1936 wird Heinrich Bipper jedenfalls in die Solinger Krankenanstalten eingeliefert und von dort in die Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Galkhausen überwiesen. Dort stellt der Direktor der Anstalt am 25. März 1937 einen Antrag auf Unfruchtbarmachung wegen „Schizophrenie". Da Bipper nicht dazu in der Lage sei, seine Interessen zu wahren, müsse für das Erbgesundheitsverfahren amtlicherseits ein Pfleger bestellt werden. Seine Ehefrau dringt nun mehrfach auf eine Beschleunigung des Verfahrens, da sie und ihr Sohn ihren Mann wieder zu Hause haben wollen. Am 5. Mai 1937 wird zur Vertretung vor Gericht ein städtischer Beamter aus Solingen als Amtsvormund bestellt, der üblicherweise schon im Vorhinein schriftlich erklärt: „Ich muss es dem ärztlichen Urteil überlassen, festzustellen, ob eine Erbkrankheit im Sinne des Gesetzes vorliegt. Sollte das der Fall sein, so stelle ich dem Erbgesundheitsgericht Entscheidung nach Lage der Akten anheim. Im Falle des Beschlusses auf Unfruchtbarmachung verzichte ich auf Einlegung der Beschwerde." Am 16. Juni 1937 wird dann die Sterilisierung vom Erbgesundheitsgericht Elberfeld per Gerichtsurteil angeordnet und Bipper am 24. Juli 1937 in den Städtischen Krankenanstalten Barmen zwangssterilisiert. Vermutlich wird er aber auch jetzt nicht nach Hause entlassen, sondern bleibt dauerhaft Patient in Galkhausen.

Im März 1941 erreicht Solingen überraschend die Nachricht vom Tode Heinrich Bippers. Angeblich stirbt er am 9. Mai 1941 in der „Heil- und Pflegeanstalt Hadamar" an „akuter Hirnschwellung". Maria Bipper schreibt 1952 im Antrag auf Anerkennung als Verfolgte: „Die Leiche wurde angeblich wegen Ansteckungsgefahr verbrannt. Nach meiner Ansicht und durch eine Bemerkung des Friedhofgärtners in Hadamar ist mein Ehemann als 18. Fall dort vergast worden." Wenn er auch nicht das 18. Todesopfer einer der Vergasungsaktionen in der Tötungsanstalt Hadamar war, bei der allein 1941 über 10.000 Menschen umgebracht werden, so ist doch schon damals sicher: Heinrich Bipper ist ein Opfer der nationalsozialistischen „Euthanasie" geworden. Er wird am 28. April 1941 zusammen mit 89 weiteren Patienten von Galkhausen - das zu dieser Zeit als Zwischenanstalt für die Euthanasietransporte dient - nach Hadamar verlegt. Üblicherweise wurden die Menschen noch am Tag ihrer Ankunft in die im Keller befindliche Gaskammer geschickt, so dass der 28. April 1941 als sein Todesdatum anzusehen ist.

Text: Armin Schulte

Stand: 4.7.2017

Verlegeort Josefstraße 1
Stadtteil Burg/Höhscheid
Verlegedatum 14.01.2012

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