zu Wuppertal

Wuppertal liegt im Bergischen Land südlich des Ruhrgebiets, etwa 30 Kilometer östlich von Düsseldorf, etwa 40 Kilometer nordöstlich von Köln und zirka 23 Kilometer südöstlich von Essen.

Die Stadt Wuppertal entstand 1929 aus der Vereinigung der Industriestadt Barmen und des Industrie-, Geschäfts- und Handelszentrums Elberfeld mit den umliegenden Kleinstädten Beyenburg, Cronenberg, Ronsdorf und Vohwinkel. Die Städte Barmen und Elberfeld bildeten bereits im 19. Jahrhundert eines der ersten deutschen Industriegebiete. Das Wuppertal galt als das „deutsche Manchester“ und war ein wichtiges Zentrum der Textilindustrie.[1] Die Städte Barmen und Elberfeld hatten 1875 zusammen gerechnet die fünfgrößte Einwohnerzahl aller deutschen Großstädte.[2]1861 waren 75 % der gewerblich tätigen Personen in der Textilindustrie beschäftigt.[3]Dieser hohe Anteil sank bis 1907 auf 50 %. Boden gewannen neben den Zuliefererbetrieben und dem Maschinenbau die aus den Färbereien entstandenen Chemiefabriken (Bayer) und die Kunstfaserproduzenten (Bemberg). Die industrielle Struktur im Wuppertal war geprägt durch den starken Einfluss der Textilindustrie und der daraus entwickelten Chemischen Industrie. Gleichzeitig war der Anteil an mittelständisch geprägter Metallverarbeitender Industrie bedeutsam.[4] Neben der Werkzeugindustrie, die im Ortsteil Cronenberg beheimatet war, der Firma Vorwerk und Söhne mit ihrer Gummiproduktion und der Chemischen Industrie mit der Firma Bayer, hatte die sogenannte „Barmer Artikel“-Industrie, die Kurzwaren produzierte, mit ihren vielfältigen Produkten besondere Weltgeltung. An Bandstühlen, Flecht-, Häkel- und Klöppelmaschinen wurden oft noch in Heimarbeit unzählige Erzeugnisse produziert, Besatzartikel und Bänder, gummielastische Webwaren für Gürtel etc. Etwa die Hälfte aller in der Textilindustrie Beschäftigten arbeiteten in diesem Spezialzweig. Bedeutend wurden auch der Maschinenbau, die Kleinmetallwarenindustrie, die Knopfindustrie, die Stoffdruckereien und Appreturanstalten, die papierverarbeitende Industrie mit Kartonage- und Briefumschlagproduktion, und die Möbelstoff- und Teppichindustrie (Vorwerk & Co.). Mit dem Aufkommen der Kunstseide waren im Wuppertal mit den Firmen Bemberg und den Vereinigten Glanzstoffwerken zwei Großunternehmen mit Weltruf ansässig.[5] Ein weiterer wichtiger Sektor war verbunden mit dem Textilgroßhandel, der überwiegend an der Elberfelder Hofaue angesiedelt war und vor allem von jüdischen Kaufleuten betrieben wurde.[6]

Mit Ausnahme der Farben- und Kunstfaserindustrie und der Gießerei Jäger dominierten die kleinen und mittleren Betriebe die Industrielandschaft. So waren 1939 in Wuppertaler Betrieben durchschnittlich neun Arbeiter beschäftigt, während in den Zentren der Schwerindustrie wie in Gelsenkirchen 22 Beschäftigte gezählt wurden.

Auch gilt besonders für die Metallindustrie, dass die komplexen Arbeitsvorgänge eine große Anzahl von hochqualifizierten Facharbeitern erforderte.

Insgesamt lässt sich Wuppertal als ausgeprägte Industriestadt mit einem deutlich überdurchschnittlichen Anteil der Erwerbspersonen im Wirtschaftsbereich „Industrie und Handwerk“ sowie einem überdurchschnittlichen Anteil von Arbeitern und Arbeiterinnen klassifizieren.[7] Der Anteil der Erwerbstätigen in Industrie und Handwerk lag doppelt so hoch wie im Reichsdurchschnitt. Im Unterschied zu anderen deutschen Industriestädten hatten Barmen und Elberfeld aber schon vor dem Ersten Weltkrieg den Zenit ihrer ökonomischen Entwicklung überschritten. 1933 stand Wuppertal bei der Einwohnerzahl mit knapp 400.000 nur noch an 16. Stelle der deutschen Großstädte.

 



[1]Vgl. Köllmann, Wolfgang: Sozialgeschichte der Stadt Barmen im 19. Jahrhundert, Tübingen 1960.

[2] Vgl. Schmiechen-Ackermann, Nationalsozialismus, S. 726.

[3] Vgl. Boch/Krause, Lesebuch, S. 40.

[4] Vgl. Toellner, Heinz: Die Industrie im Bergischen Land, MS Diss, Uni Köln, Wuppertal 1950.

[5] Vgl. Wicht, Wolfgang E, Glanzstoff. Zur Geschichte der Chemiefaser, eines Unternehmens und seiner Arbeiterschaft, Neustadt/Aisch 1992.

[6] Vgl. Stracke, Stephan/Sparing, Frank: „… dass durch den Übergang ein musterhaft geführtes, deutsches Geschäft geschaffen wird.“ Die „Entjudung“ der Wuppertaler Wirtschaft, in: Okroy/Schrader (Hg.), Der 30. Januar 1933, S. 69-70.

[7]Vgl. Schmiechen-Ackermann, Nationalsozialismus, S. 66.

 

 

Literatur

Nelles, Dieter: Der Widerstand gegen den Nationalsozialismus in Wuppertal 1933 bis 1945, in: Okroy, Michael/ Schrader, Ulrike (Hg.): Der 30. Januar 1933 – Ein Datum und seine Folgen. Aktuelle Forschungen zum Nationalsozialismus in Wuppertal, Wuppertal 2004, S. 32-45.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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