Ewald Funke

Remscheid, Germany
gestorben: 
4. March 1938 Plötzensee
Opfergruppe: 
Beruf: 
Angestellter

Ewald Funke wurde am 30. Juli 1905 in Remscheid geboren. Er machte eine Ausbildung als kaufmännischer Angestellter und war bis 1933 beim Arbeitsamt in Wuppertal beschäftigt. Er stammte aus einer sozialdemokratischen Familie. Der Vater Ewald Funke war Stadtverordneter der USPD in Remscheid und Sekretär des freigewerkschaftlichen Holzarbeiterverbandes und trat nach Auflösung der USPD wieder in die SPD ein. Die Mutter war bereits 1921 gestorben. Seinen Söhnen ermöglichte Funke „unter größten Mühen“ das Gymnasium bis zur Obersekunda zu besuchen. Die Söhne Ewald, Otto und Kurt waren, bevor sie in die KPD bzw. in den Kommunistischen Jugendverband übertraten, wichtige Funktionäre der sozialdemokratischen SAJ und der Jungsozialisten. Ewald Funke schätzten seine Freunde wegen seiner Toleranz und seines umfassenden Wissens. „In den wenigen stillen Stunden, die ihm bei seiner politischen Arbeit noch bleiben, "büffelt" er volkswirtschaftliche Fragen.“ In zahlreichen Kursen der Volkshochschule gibt er sein Wissen weiter.1919 trat Funke in Sozialistische Proletarier Jugend der USPD ein, 1921 erfolgte sein Übertritt in die Kommunistische Jugend (KJ). Von 1922 bis 1923 war er Leiter des KJ Unterbezirks Wuppertal. Er verließ 1924 die KPD. Als Grund wurde der „ultralinke Kurs“ der KPD genannt. Der Wuppertaler Sozialdemokrat Sobietzky ging hingegen von einem fingierten Ausschluss aus der KPD und einer gezielten Einschleusung in die SPD aus. Seit 1927 war Funke Mitglied der SPD und bekleidete verschiedene Funktionen bis zur Gauleitung der Jungsozialisten. 1931 wurde er wegen „Zersetzungsarbeit“ für die KPD aus der SPD ausgeschlossen. In seiner Vernehmung am 29. Juli 1936 in Dachau berichtete Funke, dass er im Auftrag der KPD aus den Funktionärssitzungen der SPD Informationen beschafft hatte. Möglichweise hat er ab 1927 für die KPD als Informant gearbeitet. Ewald Funke trat spätestens 1932 „offiziell“ in die Dienste des AM-Apparates in Wuppertal, wo er zunächst für die „Zersetzungsarbeit“ innerhalb der SPD zuständig war. 1933 leitete er den Geheimapparat der KPD in Wuppertal und später im gesamten Bezirk Niederrhein. Der AM-Apparat war in Wuppertal die einzige Struktur der KPD, die von den ersten Verhaftungswellen verschont blieb. So wurde auch Ewald Funke nach kurzer Schutzhaft in Börgermoor wieder entlassen. Die Parteileitung schickte ihn nach Düsseldorf, wo er von Oktober 1933 bis zum Frühjahr 1934 als AM-Leiter für den gesamten Bezirk Niederrhein tätig war. Ewald Funke wurde im Frühjahr 1934 aus Sicherheitsgründen ins Exil abgezogen. Bevor er in die Niederlande reiste, setzte er Otto Kettig als seinen Vertreter ein. Else Wupperfeld übergab Kettig im Auftrag Funkes die strategischen Verbindungen zu Izchock Gerszt und Jacob Gilberg. Sie waren mit ihren Geldsammlungen ein zentraler Teil der Infrastruktur des Apparats in Wuppertal, von ihrem bei jüdischen Geschäftsleuten gesammelten Geld konnten die illegalisierten Mitarbeiter finanziert werden und auch die umfangreiche Reisetätigkeit bezahlt werden. Am 10. Mai 1934 flüchtete er zunächst in die Niederlande. Über Frankreich und die Schweiz gelangte er in die Tschechoslowakei, wo er eine Zeitlang Schulungsleiter für Emigrantenlehrgänge war.6 Ende 1934 wurde er auf die Militärpolitische Schule in Moskau geschickt. Nach Auflösung des AM- Apparates wurde Ewald Funke 1936 von der Schweiz aus als Instrukteur für den Großraum Stuttgart eingesetzt. Vorausgegangen war auch in Stuttgart zahlreiche Verhaftungen im Juni und Dezember 1935. Ewald Funke und Max Stingl bekamen im Frühjahr 1936 den Auftrag, die Gründe für die Verhaftungswelle zu eruieren und die Botschaft der Brüsseler Konferenz ins Land zu tragen. Insgesamt dreimal reisten die beiden Instrukteure nach Deutschland, um einen Neuaufbau der Partei in die Wege zu leiten. Sie propagierten dabei strikte Dezentralisierung und die neue Einheits- und Volksfrontpolitik inklusive der Orientierung auf die Arbeit in den faschistischen Organisationen. Tragischerweise vertrauten sie den Neuaufbau den Brüdern Wicker an, die die Seite gewechselt hatten und bereits in die Verhaftungen im Jahre 1935 verwickelt waren. Auf der dritten Reise wurden Funke und Stingl verhaftet. Sie waren von dem Spitzel Eugen Wicker, der in der Widerstandsleitung der Stuttgarter KPD arbeitete, verraten worden. Ewald Funke wurde brutal gefoltert. Die Gestapo erpresste schließlich Aussagen und ein umfangreiches Geständnis. Eugen Wicker war ähnlich wie auch der Wuppertaler Spitzel Walter Torner kein eingeschleuster Agent, sondern kam aus dem Kern der Partei. Seit 1934 hatte er sich entweder freiwillig der Gestapo angedient oder war gezwungen worden, seine Geschichte und seine Genossen zu verraten. In dieser unklaren Situation reisten Funke und Stingl dreimal von Zürich nach Stuttgart, trafen dort Eugen und Alfons Wicker, der ebenfalls mittlerweile für die Gestapo arbeitete. Das Vertrauen ging sogar soweit, dass die Gebrüder Wicker am 17. Mai 1936 zu Mitgliedern einer neuen Bezirksleitung Württemberg ernannt wurden. Ihnen wurden ganz selbstverständlich die Verbindungen zu weiteren Kontaktpersonen inklusive der Chiffres für die Verschlüsselung von Geheimberichten übergeben. Die Verhaftung von Funke und Stingl war aber schon beschlossene Sache, am 17. Mai 1936 veranlasste Eugen Wicker die Festnahme von Funke, Stingl und weiteren Illegalen. Ewald Funke wurde am 17. Mai 1936 in Stuttgart festgenommen. Als am 13. März 1936 Karl Ibach in Nümbrecht, am 5. Mai 1936 Otto Kettig in Hamburg und am 17. Mai 1936 in Stuttgart Ewald Funke unabhängig voneinander festgenommen wurden, spielten die Wuppertaler AM-Strukturen bei den Vernehmungen zunächst überhaupt keine Rolle. Die Verhaftung von Ewald Funke wurde der Gestapo in Düsseldorf sogar erst einen Monat später bekannt, eine Möglichkeit zur Vernehmung ergab sich sogar erst zwei Monate nach seiner Verhaftung. Auf die entscheidende Spur des Wuppertaler AM-Apparates kam die Gestapo durch die Flucht von Hermann Rodewig und durch die Festnahme von Erich Mesenholl. Der Wuppertaler AM-Mann Hermann Rodewig, der eng mit Walter Sander zusammen arbeitete, konnte sich am 19. Juni 1936 in letzter Minute der Verhaftung entziehen und in die Niederlande flüchten. Ab dem 19. Juni 1936 begann die Aufrollung des Wuppertaler AM-Apparats mit der Verhaftung von Erich Mesenholl. In seiner Vernehmung am 20. Juni 1936 belastete er unter Folter u.a. Ewald Funke, Otto Kettig, Karl Ibach und den flüchtigen Hermann Rehse. So nahm das Verhängnis der gegenseitigen Belastungen seinen Lauf. Durch diese Aussagen gerieten die bereits Verhafteten Ibach, Kettig und Funke erneut ins Visier der Gestapo. Zweimal sowohl am 19. Juni 1936 wie auch am 22. Juni 1936 beantragte die Gestapo die Überstellung von Otto Kettig zur Vernehmung. Am 25. Juni 1936 wurde die Verhaftung von Ewald Funke in Düsseldorf bekannt und am 26. Juni 1936 beantragte die Gestapo die Vernehmung von Karl Ibach „wegen neuer Hochverratssache“. Eine Überstellung von Funke zur Vernehmung nach Düsseldorf oder Wuppertal wurde zunächst abgelehnt: „Aus bes. Gründen, die mit seiner Festnahme zusammenhängen, kann eine Überstellung des Funke nach Düsseldorf oder einem anderen Ort zunächst nicht in Frage kommen. Näheres (…) folgt in den nächsten Tagen durch Geheimschreiben.“ Am 29. Juni und 30. Juni 1936 packte Mesenholl endgültig aus: Jukiel Gilberg und Käthe Landau wurden am 29. Juni 1936 verhaftet, einen Tag später traf es Izchock Gerszt. Im Protokoll der Gestapo heißt es zu dieser Festnahme: „Ich weiß nicht, warum ich den Juden bisher geschont habe.“ Otto Kettig wurde am 3. Juli 1936 und 4. Juli 1936 zur illegalen Arbeit in Wuppertal „vernommen“. In seiner Vernehmung am 5. Mai 1936 in Hamburg hatte er keine Aussagen zu den Wuppertaler Verbindungen gemacht. Erst nach der Überführung nach Wuppertal meldete die Gestapo ein umfangreiches Geständnis. Otto Kettig wurde brutal gefoltert. "Ich bin davon überzeugt, dass man bestimmte Beweise gegen mich hat. Doch ich muss sie zwingen, mir diese Beweise erst zu nennen, damit ich nicht unglücklicherweise das sage, was sie vielleicht noch nicht wissen!" das dachte Otto Kettig, als er mit Hundepeitschen und Eisenstangen gefoltert wird. Und er schiebt die ganze Verantwortung für die Organisation des Widerstandes auf Genossen, „die entweder schon tot sind oder die er im Ausland in Sicherheit weiß." Nach erlittener Folter identifizierte Otto Kettig Hans Breuer und Ewald Funke auf Lichtbildern und belastete weiterhin Alfred Robus, der sich im Exil befand, den gestorbenen Paul Weier, Hermann Rodewig, Otto Falke, Laura Thomas, Karl Tuttas und Ewald Funke. Die Gestapo notierte am 4. Juli 1936: "Kettig hat im Laufe seiner Vernehmung, die noch nicht abgeschlossen ist, bedeutsame Angaben bezüglich der Tätigkeit des Tuttas im AM-Apparat gemacht (...) Kettig wird hier noch etwa 3 Wochen benötigt werden, da noch Gegenüberstellungen mit anderen AM-Funktionären, u.a. den am 17.5.36 in Stuttgart festgenommenen Ewald Funke erforderlich sind." Am 23. Juli 1936 verfasste Vogt einen ersten Bericht über den AM-Apparat. Er berichtete, das Kettig nach seiner Überführung aus Hamburg ein Geständnis gemacht hat, und kündigte die Vernehmung von Funke in Dachau an. Erst am 29. Juli 1936 erhielt Ditges die Gelegenheit, Ewald Funke im KZ Dachau zu vernehmen. Bis zu diesem Zeitpunkt war Ewald Funke bereits über drei Monate den Folterverhören ausgesetzt gewesen, sein Genosse Franz Stingl war bereits den Vernehmungsmethoden zum Opfer gefallen. In den Vernehmungen vom 23. Mai 1936 in Stuttgart hatte aber Funke noch nichts über seine AM-Tätigkeit im Bezirk Niederrhein preisgegeben. In einem Telegramm vermeldete Ditges einen ersten Erfolg: „Funke ist entgegen allen Erwartungen nach kurzer Zeit im Rahmen der Vernehmung zugänglich geworden und hat bereits eingehende Angaben gemacht. Wir werden auf alle Fälle versuchen ihn schnellstens nach dort zu überführen.“ Funke belastete am 29. Juli 1936 in Dachau u.a. Izchock Gerszt, Otto Kettig, Otto Falke, Hermann Rehse, Hermann Rodewig, Emil Hochbein und Paul Weier, Laura Thomas, Josef Bender, Dr. Röttgen, Werner Eggerath, August Veller und Alfred Robus. Funke verschwieg aber bei dieser Vernehmung die Rolle seiner Freundin Else Wupperfeld, die über seine AM-Arbeit unterrichtet war und ihn als Kurierin unterstützt hatte. Else Wupperfeld war am 27. Juli 1936 für acht Tage in Düsseldorf in Haft geraten, wurde aber wieder freigelassen und konnte ins Ausland entkommen. Am 4. August 1936 schließlich überführte Ditges Ewald Funke nach Düsseldorf. Am 7. August 1936 belastete Funke den AM-Mann Kurt Banse, der daraufhin am 12. August 1936 festgenommen wurde. Am 14. August wurde Funke ein weiteres Mal vernommen. Funke wusste zu diesem Zeitpunkt, dass Kettig ebenfalls inhaftiert ist. Er gab zu, dass er Kettig in einer Angelegenheit falsch beschuldigt hatte, um seine Braut Wupperfeld zu schützen. Funke wurde die nächsten Monate immer wieder zu Verhören geholt, er machte weitere belastende Aussagen zu Düsseldorfer Aktivisten, er gab schließlich am 19. Oktober 1936 den Namen des kommunistischen Spions in der SA Heinz Brienne preis. Funke versuchte in seiner auswegslosen Situation noch persönliche Schadensbegrenzung zu betreiben. Er hatte in seinen Aussagen zunächst seine Freundin Else Wupperfeld schützen können. Und er verschwieg der Gestapo, um der Todesstrafe zu entgehen, genauso wie übrigens Otto Kettig, seinen Besuch in der M-Schule in Moskau. Ewald Funke avancierte zum zentralen Belastungszeugen im Bruckner-Verfahren. In einem späteren vergeblichen Gnadengesuch kurz vor Funkes Hinrichtung führte sein Rechtsanwalt diese Geständnis- und Aussagebereitschaft zu Gunsten von Ewald Funke in Feld. Ewald Funke wurde relativ spät der Prozess gemacht. Bis zu seiner Verurteilung trat er noch als Hauptbelastungszeuge in verschiedenen Strafverfahren auf. Ewald Funke wurde am 16. August 1937 vom Volksgerichtshof unter dem Vorsitz von Thierack zum Tode verurteilt. Es entstand eine große Solidaritätsbewegung im Ausland. Ewald Funkes drohende Hinrichtung war Gegenstand zahlreicher Flugblätter und Zeitungsartikel. Die Union für Freiheit und Recht aus Prag setzte sich am 22. September.1937 in einem „Brief an den Herrn Reichskanzler“ für die Begnadigung von Ewald Funke ein. Auch Winifred Wagner hatte ein „Gnadengesuch an den Führer gerichtet.“ Vergeblich, der Scharfrichter Hehr richtete Ewald Funke am 4. März 1938 um 6 Uhr morgens in Berlin-Plötzensee mit der Guillotine hin. Sein letzten Worte waren, so vermerkte es das Hinrichtungsprotokoll: „Ich sterbe für den Kommunismus“. Auf roten Plakaten und mit einer knappen Pressemitteilung wurde die Hinrichtung des Widerstandskämpfers bekannt gegeben. „Der vom Volksgerichtshof am 16. August 1937 wegen Vorbereitung eines hochverräterischen Unternehmens zum Tode und zu dauerndem Ehrverlust verurteilte 32jährige Ewald Funke aus Wuppertal-Elberfeld ist heute Morgen hingerichtet worden. Der Verurteilte hatte im Auftrage ausländischer Stellen der Komintern versucht, in einer Großstadt Süddeutschlands eine kommunistische Organisation aufzurichten. Seine Verhaftung im Mai 1936 hat seinem Treiben ein Ziel gesetzt.“ [sic]  Obwohl Ewald Funkes Vater sich schriftlich um die Herausgabe und Überführung des Leichnams nach Wuppertal bemühte hatte, wurde der Antrag abgewiesen. Wahrheitswidrig heißt es in den Akten: „Da seitens der Angehörigen des Verurteilten die Herausgabe des Leichnams nicht beantragt worden ist, überlasse ich diesen dem dortigen Institut zu Lehr und Forschungszwecken. Ich weise besonders darauf hin, dass die Herausgabe des Leichnams an die Angehörigen wie auch nur die Erteilung irgendeiner Auskunft unzulässig ist“ Ewald Funkes Leichnam wurde dem Anatomischen Institut der Universität Berlin überlassen.. Dort wurde seine Leiche vom Anatomen Hermann Stieve für dessen Forschung benutzt. Eine Grabstelle gibt es nicht, die Leichenteile wurden verbrannt und an unbekannter Stelle auf einem unbekannten Berliner Friedhof bestattet. In einem Nachruf mit dem Titel „Ewald Funke - ein Märtyrer des Friedensgedankens hingerichtet“ schrieb Ernst Weber: „Den am 4. März in Plötzensee hingerichteten Antifaschisten Ewald Funke nennt das „Centre International pour le droit et la liberte en Allemagne“ mit Recht eine der reinsten und bewundernswürdigsten Gestalten des Freiheitskampfes in Deutschland. Dieser junge Mensch von 32 Jahren entstammte einer alten sozialdemokratischen Arbeiterfamilie in Wuppertal. (...) Die Fragen aufwerfen, heißt alle Friedens- und Freiheitskräfte der Welt alarmieren, noch lauter und wichtiger gegen die Tyrannen und Kriegsbrandstifter in Berlin zu protestieren. Wir ehren in Ewald Funke den Märtyrer des Friedensgedankens. Er starb für uns alle, und sein Andenken wird stets in den Herzen aller aufrechten Menschen weiterleben. Retten wir durch einmütige Solidaritätsaktionen die anderen Hitler-Opfer, die jeden Tag unter dem Henkerstreich fallen können.“

 

 

 

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