„Mir lebn ejbig - Wir leben trotzdem!“

„Mir lebn ejbig - Wir leben trotzdem!“



76 Jahre Befreiung Wuppertals vom Nationalsozialismus



2. Juli 2021 ab 15.00 Uhr

Open-Air-Gedenkveranstaltung auf dem Wupperfelder Markt,

Wuppertal-Oberbarmen



Gemeinsames Gedenken für die Wuppertaler NS-Opfer und die alliierten Soldaten, die Wuppertal befreit haben.





Programm:



15:00 Uhr Roger Moreno Rathgeb, Sinti-Musiker und Komponist des Requiem für Auschwitz



Begrüßung: Dieter Nelles



Grußwort: Bürgermeister Heiner Fragemann



Ruth Yael Tutzinger, Jüdische Kultusgemeinde Wuppertal



Adriano Paßquali, Sohn des Holocaust-Überlebenden Karl Paßquali



16:00 Uhr Formation Ufermann - jazz chanson poesie





16:45 Uhr Serpil Temiz Unvar, Mutter des in Hanau ermordeten Ferhat Unvar





17:00 Uhr Esther Bejarano und Microphone Mafia





18:15 Uhr  Orfeas -  Die griechische Musikgruppe Orfeas spielt Musik von Theodorakis, Tsitsanis, aber auch traditionelle griechische Musik sowie Rembetiko-Lieder.









Veranstalter*innen:



Verein zur Erforschung der sozialen Bewegungen im Wuppertal e.V.

 

 

Wir versuchen es nochmal! Wir planen die Veranstaltung ausschließlich als Open-Air und tauschen das Großzelt gegen eine regendichte Bühne und eine größere Lautsprecheranlage. Die Durchführung der Veranstaltung steht natürlich unter dem Vorbehalt der weiteren Pandemie-Entwicklung und der entsprechenden gesundheitlichen Vorgaben.

 

Wir haben den 2. Juli 2021 ausgewählt, weil wir das Befreiungsfest mit dem traditionellen Gedenken an das Wuppertaler Konzentrationslager Kemna am 3. Juli 2021 verbinden wollen.

 

Wir haben für den 2. Juli 2021 – erneut - die Auschwitz-Überlebende Esther Bejarano zusammen mit der Band Microphone Mafia für ein Konzert für die Wuppertaler NS-Opfer gewinnen können.

 

Esther Bejarano tourt noch mit 96 Jahren zusammen mit ihrem Sohn Yoram und der Kölner Hiphop-Band durch Deutschland. Die Holocaust-Überlebende spielte im Mädchenorchester von Auschwitz Akkordeon. Ihre Eltern und ihre Schwester wurden von den Nationalsozialisten ermordet. Sie lebt heute in Hamburg. Seit langem engagiert sie sich gegen Rechtsextremismus und Neonazis, sowohl als Ehrenvorsitzende des Auschwitz-Komitees, der VVN-BdA als auch als Sängerin der Band „Microphone Mafia“.

 

Wir haben den Wupperfelder Markt in Oberbarmen ausgewählt aus mindestens drei Gründen:

 

1. Da wir aus Pandemiegründen das Befreiungsfest nicht wie gewohnt am 16./17. April, dem Wuppertaler Befreiungstag, veranstalten können, gehen wir zumindest in die Nähe des Berliner Platzes, dem Ort, den die US-Army vor 76 Jahren unter Verlust des Lebens eines unbekannten us-amerikanischen Soldaten befreien konnte.

 

2. Oberbarmen ist seit vielen Jahrzehnten ein migrantisch geprägter Stadtteil. Wir wollen gerade hier mit den Menschen aus dem Stadtteil ein antifaschistisches und antirassistisches Fest feiern.

Und an die andauernde Bedrohungen für migrantische Menschen erinnern. Wir laden daher einen Vertreter der Initiative 19. Februar Hanau ein. In ihrem Aufruf zum Gedenken schrieben sie: „Wir alle werden niemals so leben wie zuvor und nichts und niemand kann wiedergutmachen, was geschehen ist. Niemand kann Ferhat, Fatih, Gökhan, Kaloyan, Mercedes, Vili, Nesar, Hamza und Sedat ins Leben zurückrufen. (…) Nach den rassistischen Morden in Hanau am 19. Februar 2020 haben wir uns auf Mahnwachen, Kundgebungen und Beerdigungen ein Versprechen gegeben: Dass die Namen der Opfer nicht vergessen werden. Dass wir uns nicht allein lassen. Dass es nicht bei folgenloser Betroffenheit bleibt. Die Kameras und Politiker*innen verlassen jetzt wieder die Stadt. Wir bleiben. Wir gründen eine Initiative, um der Solidarität und den Forderungen nach Aufklärung und politischen Konsequenzen einen dauerhaften Ort zu geben. Wir werden nicht zulassen, dass der 19. Februar 2020 unter den Teppich gekehrt wird – so wie die unzähligen rechten Morde zuvor. Und auch nicht, dass erneut Täter geschützt und ihre Gewalt verharmlost werden.“

 

Diese Botschaft soll auch am 2. Juli 2021 in Oberbarmen unüberhörbar sein.

 

3. Oberbarmen ist natürlich auch ein griechisch geprägtes Viertel. Wir möchten mit unserem Befreiungsfest auch an die Zusammenarbeit mit der Griechisch-Orthodoxen Kirchengemeinde Wuppertal, anknüpfen, mit dem wir am 2. April 2019 in der Färberei eine große Veranstaltung mit Filmvorführung in Gedenken an das Massaker in Lingiades /Epirus durchgeführt haben. Sehr viele Wuppertaler Griechen und Griechinnen sind aus Nordgriechenland eingewandert, insbesondere aus dem Epirus und Mazedonien. Das sind die Regionen, die besonders von der Wehrmacht, von Polizei und Waffen-SS aus Vergeltung für den Kampf der griechischen PartisanInnenbewegung dem Erdboden gleich gemacht und zahllose Zivilisten ermordet wurden. Eine besondere Mördertruppe war die 4. SS-Polizei-Panzergrenadier-Division. Sie war für die Massaker von Distomo, Pýrgoi und Klissoura verantwortlich. Diese SS-Einheit wurde z.T. vom Wuppertaler Polizeipräsidium aufgestellt. In ihr „dienten“ auch viele Polizeisoldaten aus Wuppertal, die noch in den 80iger Jahren noch unbehelligt Kameradschaftstreffen veranstalten konnten.

 

Unser diesjähriges Gedenken schließt daher bewusst auch die Wuppertaler Griechen und Griechinnen aus den zahlreichen Märtyrerorten ein, deren Familienangehörige Opfer der deutschen Massaker wurden. Die Musik von Orfeas soll sie besonders würdigen.