Willi Ulmann

Wuppertal-Elberfeld, Германия
gestorben: 
11. Dezember 2019 Treblinka
Opfergruppe: 

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Ulmann
Goebenstraße 16

3 Stolpersteine am 10.12.2013 für Familie Ulmann. Vater Willi, geb. 10.08.1900, 41 Jahre alt; Mutter Helene, geb. Weiler, geb. 05.01.1907, 34 Jahre alt; Sohn Heinz Gerd, geb. 27.04.1931,10 Jahre alt. Am 10.11.1941 nach Minsk deportiert. Dort verlieren sich ihre Lebensspuren.

Fragmentarische Lebensdaten der Familie Ulmann

Noch sind die Erinnerungen der dem Holocaust Entkommenen an die Familie Ulmann und deren Verwandten, die durch das mörderische NS- System ausgelöscht wurden, präsent. Noch sind die Ermordeten: „Onkel, Tante und Vetter Gerd bei den Überlebenden des Holocaust in den USA und Israel nicht vergessen“. Sie nehmen an Stolpersteinverlegungen teil und haben einen dieser Stolpersteine sogar gesponsert. Das ist das Besondere an dieser ehemaligen Wuppertaler Familie Ulmann.

Willi Ulmann
Willi Ulmann wurde am 19. 8.1900 in Elberfeld, damals noch eine selbständige Stadt, geboren. Sein Vater war der Kaufmann Julius Ulmann, die Mutter Clara, eine geborene Löwenherz. Willi Ulmann hatte zwei Schwestern: Änne, verheiratete Elk (geb. am 26. 1.1895 in Elberfeld) und Margarete, verheiratete Ruhrig, deren Geburtsdatum nicht bekannt ist. Beide Schwestern haben den Holocaust überlebt: Änne gelang die Flucht in die USA. Margarete lebte 1960 in Haslach, in Baden-Württemberg.

Willi Ulmann besuchte ein Gymnasium in Elberfeld, beendete mit dem sogenannten „Einjährigen“ nach der 10. Klasse (Untersekunda) den Schulbesuch, um ein Volontariat in der Firma Gebrüder Alsberg in Hamm/Westfalen aufzunehmen. Gegen Ende des Ersten Weltkrieges wurde der 18-jährige noch eingezogen, überstand den Kriegseinsatz jedoch zum Glück ohne Verwundungen.

1928 heiratete er dann Helene Weiler, die Tochter von Louis Weiler dem Inhaber des Kaufhauses Gebrüder Alsberg KG in Wuppertal mit ca. 140 Beschäftigten. Willi Ulman und seine Frau Helene bekamen einen Sohn, Heinz Gerd Ulrich, genannt Gerd, der am 27. April 1931 in Wuppertal–Elberfeld geboren wurde.

Willi Ulmann, gelernter Textilkaufmann, arbeitete in der Firma Gebrüder Alsberg Nachf. – also im Kaufhaus seines Schwiegervaters - bis zu dessen Liquidierung 1938; zunächst als Abteilungsleiter, ab 1936 auch als Prokurist. Willi Ulmann war – nach Rückkehr aus dem Kriegsdienst - aber auch Mitinhaber der Kurzwaren-Großhandels-Firma seines Vaters Julius Ulmann, die sich zunächst in der Hofaue 85 befand, ab etwa 1935 jedoch in der Goebenstraße 16.

Trotz des Drängens der 1939 nach USA geflohenen Verwandten (Hans und Mary Sternberg, geb. Weiler), deren Hilfe zu nutzen um Deutschland zu verlassen, hielt Willi Ulmann eine Auswanderung nicht für erforderlich. Er wollte das Geschäft des Schwiegervaters Louis Weiler – also das Kaufhaus Gebr. Alsberg in Wuppertal, das 1938 arisiert und von der Firma Koch KG (am Wall) übernommen wurde - retten und vertraute auf Freunde, die versprachen, ihn zu schützen. Bis es dann schließlich für eine Emigration zu spät war. Er unterschätzte den Rassenhass des Naziregimes, das mit Kriegsbeginn 1939 den bislang größten Genozid der Menschheitsgeschichte einleitete

Willi Ulmann wurde im November 1941 durch die Gestapo verhaftet und dann am 10.11.1941 mit Frau und Sohn in einem Transport mit weiteren 241 Juden von Wuppertal aus nach Minsk deportiert. Die Personenwagen dritter Klasse wurden im Elberfelder Bahnhof Steinbeck an den „Sonderzug“ aus Düsseldorf angehängt. Dieser „Sonderzug DA 52“ deportierte in 96 Stunden 992 Juden aus dem Bezirk Düsseldorf nach Minsk, der Hauptstadt der Weißrussischen Sowjetrepublik.

Über diesen Transport gibt einen entlarvenden Dokumentationsbericht vom Leiter des Transports, dem 36 jährigen Polizeihauptmann und SS-Sturmbannführer Wilhelm Meurin, der erst vor kurzem in einem Londoner Archiv entdeckt wurde. Der Transport war nur bewacht von 16 Polizisten, die während der 4-tägigen Transportzeit weder für genügend Wasser, Nahrung, hygienische Verhältnisse, noch für eine ausreichende Beheizung der eiskalten Waggons sorgten. Allerdings auch selbst unter der zunehmenden Eiseskälte litten, da die Heizung ihres Waggons defekt war. Bereits während des Transportes verstarben die ersten Deportierten. Minsk selbst war nach heftigen Kämpfen zwischen der Deutschen Wehrmacht und der Sowjetischen Roten Armee damals schon weitgehend zerstört. Um für die nunmehr eintreffenden „Reichsjuden“ Platz zu schaffen, wurde das bestehende Ghetto durch Erschießung von ca. 8000 russischen / weißrussischen Juden „freigemacht“. Mitte 1942 wurden ca. 5000 Ghettojuden erschossen. Andere wurden nach Maly Trostenec, einer ca. 12 km von Minsk entfernten, südöstlich gelegenen Tötungsstätte, transportiert und dort ermordet.

Willi Ulmann gilt seit Ankunft in Minsk, am 14.11.1941, als verschollen.

Helene Ulmann, geborene Weiler
Helene Ulmann, geborene Weiler, kam als Tochter der Eheleute Louis/Ludwig Weiler, (geb. 1879, gest. am 7.11.1940 in Wuppertal) und Julia/Julie, geborene Herz (geb.1879 in Münstereifel), am 5.Januar 1905 in Elberfeld zur Welt. Die Mutter emigrierte nach dem Tod des Vaters etwa ein Jahr später, am 1.11.1941 nach Kuba, und von dort wiederum ein Jahr später weiter nach USA. Helene Ulmann hatte eine Schwester, Mary, Jahrgang 1907, verheiratete Sternberg, die den Holocaust überlebte; und einen Bruder, Kurt Weiler, von dessen Lebensdaten nichts bekannt ist.

1928, also mit 23 Jahren, heiratete Helene Weiler Willi Ulmann aus Elberfeld. Die Eheleute hatten einen Sohn, Gerd (lt Geburtsurkunde: Heinz Gerd Ulrich), geb. am 27.04.1931 in Elberfeld.

Von 1932 bis 1939 lebte die kleine Familie in der Goebenstraße 16; später zwangsweise bis zu ihrer Deportation in dem von Juden überfüllten Haus Am Forsthof 5.
Helene Ulmann wurde zusammen mit Mann und Sohn in einem Transport mit insgesamt 244 Wuppertaler Juden am 10. November 1941 von Wuppertal aus nach Minsk deportiert. Seit ihrer Ankunft dort, am 14. November 1941 gilt sie als verschollen.

Gerd Ulmann
Gerd Ulmann, der Sohn von Helene und Willi Ulmann, wurde am 27.April 1931 in Wuppertal-Elberfeld, Goebenstr.16, geboren.

Ostern 1937 wurde er schulpflichtig, musste aber bereits entsprechend dem Runderlass des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 15. November 1938 die Schule als Zweitklässler verlassen. Der Runderlass verbot allen jüdischen Schülern den Besuch von „deutschen“ Schulen. Es mag sein, dass Gerd Ulmann eine der kleinen jüdischen Privatschulen besuchte, die in Privatwohnungen etabliert waren. So erfuhr er schon sehr früh Isolierung und Diskriminierung. Wie alle männlichen Juden musste er seinem Vornamen den Zwangsnamen Israel hinzufügen und ab September 1941 in der Öffentlichkeit den Judenstern tragen.

Wie lange der erst 10-jährige den Zwangsaufenthalt im Ghetto der weißrussischen Hauptstadt Minsk überlebt hat, ist nicht bekannt. Mit dem Datum seiner Ankunft in Minsk, dem 14. November 1941, verliert sich auch seine Spur.

Gerd Ulmann mit seiner Kusine Gabriele (Gaby) Sternberg, geb. 02.04.1937, die mit ihren Eltern noch rechtzeitig Anfang 1939 nach USA fliehen konnte. Das Foto entstand nur wenige Monate vorher, Ende 1938, am Forsthof in Wuppertal.

Quellen:
Prof. Dr. Manfred Brusten, „Jüdische Bürger Wuppertals zur Zeit des „Dritten Reiches“,
Gedenkbuchprojekt, Datenerhebung 1997 bis 2013

B. Fleermann: Transportbericht von W. Meurin (SS-Sturmbannführer), Düsseldorf 2013
(Die Klagen, die W. Meurin vorbringt, beziehen sich ausschließlich auf seine mitreisenden Polizisten. Die Leiden der unter Zwang mitreisenden Juden sind für ihn nicht von Belang und werden deshalb auch nicht erwähnt.)

Zusammengestellt von Dr. Ute Otten und Prof. Dr. Manfred Brusten, Wuppertal

http://www.stolpersteine-wuppertal.de/cms/front_content.php?idcat=46&ida...

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