Albert Jacob

Dinslaken, Deutschland
gestorben: 
18. November 2019 Minsk
Opfergruppe: 

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Jacob
Schlieperstraße 15

4 Stolpersteine am 10.12.2013 für Familie Jacob: Vater Albert, geb. 18.11.1876, 65 Jahre alt; Mutter Adele, geb. Mayer, geb. 17.12.1891, 50 Jahre alt; mit den Zwillingen Hans Leopold und Werner, geb. 27.03.1927, 14 Jahre alt. Die Deportation erfolgte am 10.11.1941 nach Minsk, wo sie am 14.11.1941 eingetroffen sind. Dort verlieren sich die Lebensspuren der Familie Jacob.

Fragmentarische Lebensdaten der Familie Jacob

Die Familienmitglieder, Albert (Vater), Adele (Mutter) und die Zwillinge Hans Leopold und Werner starben bei Vernichtungsaktionen in oder nahe Minsk. Nur der älteste Sohn Kurt Siegesmund konnte dem Holocaust durch Flucht nach England entkommen.

In „Tora und Textilien“ von Ulrike Schrader, 2007, S. 201/202, findet sich eine informative Einführung zu den Deportationen nach Minsk und Riga. Die genauen Angaben zum Start und Verlauf der Deportation nach Minsk liefern allerdings neue Fakten durch das Auffinden des Transportberichtes von dem Polizeihauptmann und SS-Sturmbannführers Wilhelm Meurin durch B. Fleermann, publiziert 2013.

Albert Jacob
Albert Jacob wurde am 07.11.1876 in Dinslaken geboren. Über seine Eltern und Familien-Situation fehlen Informationen. Er wuchs in der damals noch selbständigen Stadt Elberfeld auf, wie die Wohnadresse und ein dokumentierter Besuch des Realgymnasiums an der Aue belegen. Gegebenenfalls verließ er das Gymnasium nach der sog. „Mittleren Reife“ mit Abschluss der Untersekunda (10. Klasse) um eine kaufmännische Ausbildung zu absolvieren. Als Beruf wird Kaufmann angegeben.

Albert Jacob war Gesellschafter und Geschäftsführer der Wäschefabrik ERBSLÖH GmbH, einer Großhandelsfirma für Webwaren und Textilwaren, die 1934 gegründet wurde und aus der in Zahlungsschwierigkeiten geratenen Firma Jacob Cappel GmbH hervorging (wobei die neue Wäschefabrik „Erbslöh“ offenbar nichts mit der vormaligen Großhandelsfirma ‚Gebr. Erbslöh“ zu tun hatte, die kurz zuvor ihren Geschäftsbetrieb eingestellt hatte; s. Heyken 2013, S.158). Seine Frau Adele war, wie schon in der Firma Cappel, wiederum Mitgesellschafterin. Die Wäschefabrik Erbslöh GmbH war also im Familienbesitz. Im Rahmen der „Arisierung“ der Erbslöh GmbH wurde sie am 15.November 1938 von der ‚arischen’ Wäschefabrik BADE & Co. KG per Vertrag übernommen und am 15.12.1938 abgemeldet.

Nach der wirtschaftlichen Vernichtung machten die zunehmenden Repressalien und Einschränkungen im Alltag den jüdischen Familien das Leben unerträglich. Neben der gesellschaftlichen Isolation mussten sie ab Januar 1939 ihren Vornamen die Zwangsnamen SARA oder ISRAEL hinzufügen. Ab September 1941 waren alle Juden, die das 6. Lebensjahr vollendet hatten, gezwungen, in der Öffentlichkeit einen Judenstern zu tragen.

Ab 1932 bis 1936/37 wohnten die Jacobs damals nachweislich (lt. Adressbuch) in der Schlieperstr. 15. Anschließend war die Hofaue 16 für kurze Zeit ihre Wohnadresse bis sie 1938 gezwungen wurden, in das überfüllte Judenhaus in der Von-der-Tann-Straße 1 in Elberfeld umzuziehen.

Am 10. November 1941 mussten sich Albert und Adele Jacob mit ihren Zwillingen Hans und Werner (geb. am 27.03.1924), im Elberfelder Steinbecker Bahnhof einfinden. Dort standen für insgesamt 244 Wuppertaler Juden Personenwagen der 3. Klasse bereit. Diese wurden an den „Sonderzug Da 52“ aus Düsseldorf angehängt, der um 10.40 Uhr in Düsseldorf-Derendorf (Schlachthof) gestartet war. Damit befanden sich nunmehr 992 Juden aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf auf Transport ins Ghetto Minsk/Hauptstadt der weißrussischen Sowjetrepublik. Insgesamt 1.700 Bahnkilometer wurden in 96 Stunden (4 Tage) zurück gelegt. Bei eisiger Kälte, ohne Verpflegung und Wasserversorgung, bei katastrophalen hygienischen Verhältnissen und defekter Heizungsanlage.

Die ersten Menschen starben bereits beim Transport. Massenerschießungen wurden in Minsk und im nahe gelegenen Vernichtungslager Maly Trostenec durchgeführt. Von den 244 Wuppertaler Juden überlebte niemand.

Das genaue Todesdatum von Albert Jacob ist nicht bekannt, seine Spur verliert sich mit dem Ankunftsdatum in Minsk am 14. November 1941.

Adele Jacob, geb. Mayer
Auch Adele Jacob, geb. Mayer, war Mitglied der jüdischen Gemeinde in Wuppertal. Sie wurde am 17.12.1891 in Erpel, Kreis Neuwied, geboren und heiratete Albert Jacob. Die Eheleute hatten 3 Kinder: Kurt Siegesmund (geb. am 11.02.1922 in Elberfeld) und die Zwillinge Hans Leopold und Werner (geb. am 27.03.1924 in Elberfeld). Sohn Kurt entkam durch Flucht nach England dem Holocaust; die damals 14-jährigen Zwillinge wurden dagegen gemeinsam mit den Eltern im Ghetto Minsk oder dem Vernichtungslager Maly Trostenec ermordet.

Adele Jacob war Gesellschafterin in der familieneigenen Wäschefabrik. Gemeinsam mit Mann und Söhnen erlitt sie alle antijüdischen Maßnahmen zur Isolierung, Entrechtung und wirtschaftlichen Enteignung. Schließlich wurde sie nach Verlust der eigenen Wohnung noch zwangsweise Bewohnerin des überfüllten Judenhauses in der Von-der-Tann-Straße 1 in Elberfeld.

Den 4-tägigen Transport nach Minsk in Weißrussland überlebte sie. Nach der Ankunft am 14. November 1941 verliert sich ihre Spur.

Hans Leopold und Werner Jacob
Die Zwillinge Hans Leopold und Werner Jacob wurden am 27.03.1924 in Elberfeld geboren. Nach dem Besuch der Volksschule Trooststraße 2 in Elberfeld (1930-1935) wurden sie Schüler des Elberfelder Realgymnasiums an der Aue 93. Sie hätten das Gymnasium im November 1938 verlassen müssen (Rd. Erlass des Reichsministeriums für Wissenschaft, Erziehung und Volksbildung vom 15. November 1938), wenn sie nicht bereits ab 1937 die Privatschule „SCUOLA ALPINA SAN VIGILIO“ in Meran/Italien besucht hätten.

Ende 1938 kehrten sie, wegen der zunehmenden Verschlechterung der politischen Lage, aus Italien zurück mit der Hoffnung, noch zusammen mit den Eltern auswandern zu können. Da sie die öffentlichen Schulen nicht mehr besuchen durften, besuchten sie schließlich die Handwerkerschule in Köln, um eine Schlosserlehre zu absolvieren (1938-1939). Diese Schlosserlehre konnten sie jedoch ebenfalls nicht mehr abschließen, da sie nach Kriegsausbruch im Herbst 1939 zur Zwangsarbeit verpflichtet wurden.

Zwei Jahre später wurden sie dann, gemeinsam mit ihren Eltern, am 10. November 1941 nach Minsk in die Hauptstadt der Weißrussischen Sowjetrepublik deportiert. Nach ihrer Ankunft dort, am 14. November 1941, verliert sich ihre Spur.

Quellen:
Prof. Dr. Manfred Brusten, „Jüdische Bürger Wuppertals zur Zeit des „Dritten Reiches“, Gedenkbuchprojekt, Datenerhebung 1997 – 2013

Heyken, Hinrich: Die Hofaue – das Textil-Großhandelszentrum in Elberfeld, Verlag H-J.Momberger, Wuppertal 2013 (zu Jacob Cappel GmbH und Wäschefabrik Erbslöh GmbH auf der Hofaue 47/49 siehe S. 158-160 und S.168-171)

B. Fleermann: Transportbericht von W. Meurin (SS-Sturmbannführer), Düsseldorf 2013
(Die Klagen, die W. Meurin vorbringt, beziehen sich ausschließlich auf seine mitreisenden Polizisten. Die Leiden der unter Zwang mitreisenden Juden sind für ihn nicht von Belang und werden deshalb auch nicht erwähnt.)

Zusammengestellt von Dr. Ute Otten und Prof. Dr. Manfred Brusten, Wuppertal

http://www.stolpersteine-wuppertal.de/cms/front_content.php?idcat=46&ida...

JACOB, ALBERT

Geburtsdatum/Geburtsort: 7.11.1876/Dinslaken

Familienstand: Verheiratet mit Adele Mayer

Deportation: 10.11.1941 von Wuppertal nach Minsk

Sterbedatum/Sterbeort: ???

Opfergruppe: Jüdinnen und Juden

Staatsangehörigkeit: Deutsch

Beruf: Textilfabrikant

Wohnort in Dinslaken: Nicht bekannt

Quellen: Bundesarchiv Gedenkbuch Online-Fassung vom 18.9.2013; www.gedenkbuch-wuppertal.de; Stolpersteine Wuppertal e.V.

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