Bukofzer

Karolina Bukofzer

geb. Levy
Gruppe:
Juden und Jüdinnen
Geboren:
04.03.1878
Oberwinter
Германия
Gestorben:
02.03.1942 Ghetto Łódź

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Gedenkbuch Alte Synagoge Essen

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Bukofzer,
Lina geb. Levy

Ich gedenke

Meine Mutter, Lina Bukofzer, wurde am 4. März 1878 in Oberwinter, einem kleinen rheinischen Dorf, geboren. Sie wurde früh Waise, ihre Jugend war sehr hart. Meine Mutter übersiedelte nach Köln – ich weiß nicht genau wann – und arbeitete dort als Verkäuferin.
Im Jahre 1904 zog sie nach Essen, lernte dort meinen Vater, Samuel Bukofzer, kennen und heiratet ihn 1908. Sie wohnten zuerst in der Altstadt, später in Rüttenscheid.
Meine Eltern betrieben in der Bahnhofstraße zusammen mit anderen Familienangehörigen die Firma Franken + Lang, einen Lesezirkelring. Dort arbeitete meine Mutter auch nach dem Tod meines Vaters – er fiel 1916 an der französischen Front – einige Zeit. Nach ihrem Ausscheiden aus der Firma bezog sie eine kleine Dividende aus dem Anteil meines Vaters und eine kleine Rente als Kriegswitwe. Trotz ihrer bescheidenen Einkünfte war meine Mutter immer tadellos gekleidet, unsere Wohnung immer sehr gepflegt. Sie legte Wert auf eine gute Schulbildung für meine Schwester und mich.

Meine Mutter besaß, sie hatte eine Dorfschule besucht, eine natürliche Intelligenz. Sie las viele gute Bücher, natürlich auch eine Tageszeitung. Sehr gerne ging sie ins Theater. Später hatte sie Abwechselung durch das Radio. Ihre Briefe schrieb sie fehlerfrei, in gutem Stil und mit kleinen, akkuraten Schriftzügen. Sie fand nur schwer Anschluss an andere Menschen, war jedoch aktives Mitglied im jüdischen Frauenverein. Dort half sie vor allem alten und kranken Menschen. Mir war sie stets eine gute Freundin, stand mir mit Rat und Tat zur Seite. So unterstützte sie auch meine Auswanderungspläne, obwohl es ihr sicher nicht leicht fiel, mich gehen zu lassen.
Nach meiner Emigration 1936 übersiedelte meine Mutter aus ihrer letzten Wohnung in der
Steubenstraße 68 nach Wuppertal. Sie war dort sehr unglücklich, weil sie als Jüdin keine eigene Wohnung bekommen konnte und so ihre Unabhängigkeit und Selbständigkeit verlor.
Von Wuppertal aus wurde meine Mutter 1941 in den Osten deportiert.
In Polen fand sie den Tod.

Hilde Rosenbaum, Juli 1989

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